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Luise Scheld von Alt, 2022-04

 

Zur heutigen Zeit ist Nachhaltigkeit ein besonders aktuelles und oft debattiertes Thema. Dabei spielt auch in der Chemie Nachhaltigkeit eine große Rolle. Hierbei untergliedert man in ökologische, ökonomische und soziale Faktoren.

Die ökologische Nachhaltigkeit hat zum Ziel, negative Auswirkungen von Chemikalien auf die Umwelt zu vermeiden oder wenigstens zu verringern. Durch nachhaltige Chemikalien soll die Umwelt entlastet werden und für Unternehmen soll ein Kostenersparnis damit einhergehen. Um dieses Ziel zu erreichen, werden immer wieder neue Ansätze und Regelungen diskutiert und festgelegt, die ich im Folgenden genauer erläutern werde. Zunächst stellt sich jedoch die Frage - Was sind nachhaltige Chemikalien überhaupt?

 

Definition - Nachhaltige Chemikalien

Nachhaltige Chemikalien dürfen nach ihrer Freisetzung in die Umwelt keine kurz- oder langfristigen Probleme verursachen. Zudem dürfen sie weder persistent (langlebig), noch dürfen sie sich über große Entfernungen ausbreiten und dazu keine irreversiblen Wirkungen haben. Bei nachhaltigen Chemikalien muss überdies auf eine umweltfreundliche Herstellung, Verarbeitung und Anwendung geachtet werden.

Ansätze zur Verbesserung der chemischen Nachhaltigkeit, ausgearbeitet von Umweltbundesamt und OECD:

1. Qualitative Entwicklung:

Nur ungefährliche oder wenig gefährliche Stoffe sollen eingesetzt werden dürfen. Als gefährliche Stoffe gelten hierbei CMR-Stoffe, also kanzerogene, mutagene und reproduktionstoxische Stoffe sowie sogenannte PBT-Stoffe, die besonders langlebig und anreicherungsfähig sind. Außerdem muss auf eine ressourcenschonende Produktion der neuen, langlebigen Stoffe geachtet werden.

2. Quantitative Entwicklung:

In diesem Kriterium geht es um das Verringern des Ressourcenverbrauchs, um so Emissionen und Schadstoffe zu vermeiden oder zu verringern. Hierbei kann die Rückgewinnung oder Wiederverwertung bestimmter Stoffe sehr hilfreich sein. Diese Methode wäre sogar kostensparend für Unternehmen, da die Stoffe in geringeren Mengen verbraucht werden.

3. Umfassende Lebenswegbetrachtung:

Um den Ressourcen- und Energieverbrauch überhaupt minimieren zu können, müssen Aspekte wie Rohstoffgewinnung, Herstellung, Weiterverarbeitung, Anwendung und Entsorgung überprüft und ggf. optimiert werden. 

4. Aktion statt Reaktion:

Gefährliche Chemikalien sollen im Vorfeld vermieden werden, damit gar nicht erst die Gefahr besteht, durch sie die Umwelt zu belasten. So werden sogar mögliche Schadens- und Sanierungskosten vermieden, was somit außerdem einen ökonomischen Vorteil darstellen würde.

5. Innovation und Fortschritt:

Besonders wichtig ist es natürlich, nachhaltige Chemikalien und Produkte herzustellen. Dies geschieht durch wissenschaftliche Fortschritte und neue Techniken. Auch hier lässt sich ein ökonomischer Vorteil ersehen, denn nachhaltige Produkte erregen das Vertrauen der Konsumenten und sichern somit dem Unternehmen Wettbewerbsvorteile.

 

Die europäische Chemikalienverordnung REACH stellte bereits einige Regelungselemente auf. Diese besagen, dass Informationen zu Gefahren und sicherer Anwendung von Stoffen deutlich kommuniziert werden müssen. Gefährliche Stoffe sind zudem zahlungspflichtig, sodass der Verbrauch kontrolliert werden kann. Zuletzt ist nur die Herstellung jener Stoffe erlaubt, deren Verwendung auch tatsächlich sicher ist.

Wie man jedoch schon erkennen konnte, muss für die Umsetzung von Nachhaltigkeit in der Chemie auch der ökonomische Aspekt stimmen. Die oben beschriebenen Verfahren und Änderungen müssen sich für den Hersteller nämlich auch wirtschaftlich lohnen.

Mit den Folgen von ökologischer Nachhaltigkeit der Chemie für die Wirtschaft hat sich der Chemieverband Cefic beschäftigt. Dessen Studien zeigen, dass bereits 12000 Stoffe die Verordnungen erfüllen. Sie machen hierbei einen Anteil von 43% des Gesamtumsatzes aus (214 Mia Euro).

Bei 28% der Chemikalien wird noch diskutiert, ob diese umformuliert werden müssen, bei einem Drittel der 28% wäre dies auf jeden Fall machbar.

Am stärksten von den Forderungen seien Kleb- und Dichtstoffe, Farben und Wasch- oder Reinigungsmittel. Auch hier lässt sich folgern, dass Innovationen in diesen Bereichen besonders wichtig sind, um Chemikalien nachhaltiger machen zu können. Langfristig soll diese nämlich auch vorteilhafter nicht nur für uns Menschen und die Umwelt, sondern auch für die Wirtschaft sein.

Trotzdem sehen erste wirtschaftliche Folgenabschätzungen für die umweltfreundlichen Maßnahmen nicht besonders vorteilhaft aus: Man rechnet mit starken Auswirkungen und möglicherweise sogar Rückkopplungseffekten durch die Chemikaliengesetzgebung. Der Netto-Marktverlust betrage bis 2040 mindestens 12%, wobei in deisen Berechnungen nur zwei Maßnahmen einbezogen sind und der Export von Chemikalien vollständig vernachlässigt wurde. Es ist also durchaus mit größeren Auswirkungen zu rechnen.

Aus diesem Grund fordern Unternehmen eine Art Übergangszeit, um sich auf die neuen Änderungen einzustellen, Ersatzstoffe zu entwickeln und Zeitpläne aufzustellen.

 

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